Baugeschichte

Am 27. November 1814 erfolgte die Genehmigung zum Ankauf der "Losé’schen Gründe" auf der Wieden aus dem Besitz des Großhändlers Georg v. Sina durch die öffentliche Hand für die Errichtung des zukünftigen "k. k. polytechnischen Instituts in Wien". Damit war eine Standortentscheidung getroffen worden, die die Geschichte der TU Wien bis heute prägt.

 

Ursprünglich hätte das Institut im ehemaligen Palais Kaunitz (heute Wien I., Johannesgasse 5) untergebracht und die Labors und Lehrsammlungen der Universität Wien mitbenutzt werden sollen. Johann Joseph Prechtls anspruchsvoller und auf Expansion ausgerichteter Organisationsplan (endgültig genehmigt 1818) hätte dort allerdings nicht realisiert werden können. Der damals außerhalb der Stadt gelegene Grund bot dagegen nicht nur Platz für ein großzügiges Institutsgebäude, sondern auch Raum für zukünftige Erweiterungen. Tatsächlich sollte es fast ein Jahrhundert dauern, bis die spätere TU Wien sich über diesen Standort hinaus ausdehnte.

Das Institutsgebäude wurde vergleichsweise in Rekordzeit errichtet: Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Oktober 1816. Bereits im Herbst 1818 konnte der Unterricht im neuen Domizil aufgenommen werden. Nur die Ausgestaltung des Festsaales nach Entwürfen von Peter Nobile und Joseph von Klieber zog sich noch bis 1842 hin.

Inzwischen war das Institutsgebäude erheblich erweitert worden: Bereits 1821 wurde der östliche Seitenflügel zur Unterbringung der mathematischastronomischen Werkstätte errichtet, 1836 bis 1839 folgte der Anbau des Westflügels, des Mitteltraktes, des Panigltraktes, des Lammtraktes sowie eines Pavillons im 2. Hof (heute u. a. Lise-Meitner-Hörsaal). Anlass für diese Erweiterung war die Abhaltung der 2. Österreichischen Gewerbsproduktenausstellung 1839, die Entwürfe stammten von Joseph Stummer, Professor für Land- und Wasserbaukunst.

Der Raumbedarf des Instituts (seit 1872 Technische Hochschule) war damit allerdings nicht lange gedeckt. Bereits ab 1867 wurde das Gebäude nach und nach um ein 3., später ein 4. und im 20. Jahrhundert auch noch um ein 5. Geschoss aufgestockt. 1907 bis 1909 wurde nach Plänen von Prof. Karl König der sog. Karlstrakt angebaut, 1910 bis 1912 entstand im 2. Hof das Aeromechanische Laboratorium mit einem der weltweit ersten Windkanäle (heute Lokal "Nelson’s"). Dennoch blieb das "Raumproblem" ein ständiges Thema für die Hochschule.

1902 bis 1904 wurde auf einem Teil des Areals der Kunsterzgießerei in der Gußhausstraße, und damit erstmals außerhalb des Standorts "Karlsplatz", das Elektrotechnische Institut nach Plänen von Christian Ulrich und Karl Hochenegg errichtet. Es wurde 1928 um das Schwachstrominstitut und 1967 bis 1973 um das "Neue" Elektrotechnische Institut (Entwurf: Erich Boltenstern) erweitert.

Gegen Ende des I. Weltkrieges gelang es, die Widmung der sog. Aspanggründe (1917) sowie von Gebäuden des ehemaligen k.u.k. Technischen Militärkomitees am Getreidemarkt (1919) für Zwecke der Hochschule zu erreichen. Der Getreidemarkt-Komplex konnte trotz wirtschaftlicher Probleme in der Zwischenkriegszeit adaptiert und um Gebäude für den Maschinenbau und die Chemisch-Technische Fakultät erweitert werden, nach dem II. Weltkrieg von 1958 bis 1995 nochmals um das "Chemie-Hochhaus". Dagegen kam die Nutzung der Aspanggründe, trotz zaghafter Anfänge 1921, kaum wirklich über das Planungsstadium hinaus.

Dafür wurde 1975 bis 1987 auf dem Grund des ehemaligen "Freihauses" für die nunmehrige (seit 1975) TU Wien ein neues Institutsgebäude errichtet, in das ab 1984 zahlreiche, v. a. mathematisch-naturwissenschaftliche Institute und Serviceeinrichtungen einzogen. 1984 bis 1987 erhielt angrenzend die Universitätsbibliothek einen Neubau mit markanter Eckgestaltung.

Darüber hinaus wurden im Laufe der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zahlreiche weitere Gebäude für Zwecke der TU Wien angekauft oder angemietet (Standorte Favoritenstraße, Floragasse, Karlsgasse, Argentinierstraße, Operngasse/Treitlstraße u. a.).

Mit wenigen Ausnahmen liegen sie alle im näheren Einzugsbereich des Hauptgebäudes am Karlsplatz, der sich inzwischen längst von der "Vorstadt" in einen zentralen innerstädtischen Standort gewandelt hat. Dessen Qualitäten haben in den wiederholten Diskussionen um eine Absiedelung der gesamten Institution auf einen "Campus" am Stadtrand seit Ende des 19. Jahrhunderts (der Lainzer Tiergarten wurde ebenso vorgeschlagen wie das ehemalige Flugfeld Aspern) den Ausschlag für einen Verbleib am gegenwärtigen Standort gegeben. Es war also doch eine zukunftsweisende Wahl, die vor über 200 Jahren getroffen wurde.
 

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